Geburtstage

Wlad, unser jüngster Ministrant, kommt fast jeden Tag auf unseren Spielplatz und schon seit einigen Tagen erzählte er mehrmals, dass am Sonntag (heute) sein Geburtstag ist. Die Vorfreude war groß. Heut ist er 8 Jahre alt geworden.

Morgen feiern P. Diogenes (unser Generalvikar, gleichzeitig Saratover Pfarrer) und der nördliche Nachbarpfarrer in Samara ihren Geburtstag. Da es seit den Einschränkungen kaum Treffen der Mitbrüder gab, fahren wir mit P. Diogenes morgen die 350 km nach Samara, um zu gratulieren, sich auszutauschen und am Dienstag geht’s wieder zurück.

Brandenburger „Madonna“

Gestern wurde anlässlich des 75. Jahres des Sieges über den Faschismus in Marx eine Denkmal enthüllt, das eine sowjetische Militärpolizistin darstellt, welche im Mai 1945 von einem russischen Reporter fotografiert wurde, als sie den Verkehr in Berlin vor dem Brandenburger Tor regelte. Die Frau lebt heute in einem der Dörfer unweit von Marx und wohnte der Zeremonie per Online-Übertragung bei. Das Denkmal ist nahe einem Panzer aufgestellt, welche man in vielen russischen Städten als Symbol des Sieges findet. Hochzeitspaare legen an Panzern oder den an Denkmälern ständig brennender Flammen am Tag der Hochzeit häufig Blumen nieder.

Duden online gibt als Bedeutung für das Wort Madonna (italienisch: Meine Frau) an: 1. die Gottesmutter Maria und 2. bildliche oder plastische Darstellung der Madonna (1.) mit Kind. Ist die Bezeichnung unwissentlich gewählt worden oder sollte die Anleihe aus dem Religiösen der Person damit irgendwie ein „Kultstatus“ verleihen?

Vorbereitungen

Ein Eintrag bzw. Nachtrag zum gestrigen Tag: Mit P. Diogenes, dem Saratover Pfarrer, planten wir gestern eine gemeinsame Ausfahrt für Jugendliche. Auch für die Studenten haben nun die Ferien begonnen und kaum jemand von ihnen verreist jetzt. So fuhren wir in eine Gebiet unweit von Saratov, wo es tatsächlich Berge oder besser Hügel gibt. Eine Besonderheit dort ist eine frei zugängliche Höhle. So planen wir zelten am See, Wanderung zur Höhle, Hl. Messe in der Natur, nächtliche Betrachtung der Planeten…

Nun steht jedoch alles auf der Kippe, da heute eine erhöhte Waldbrandwarnstufe ausgerufen wurde, die den Besuch des Waldes untersagt. Hoffen wir, dass die Hitzewelle sich nicht so lange hinzieht.

Iwan Kupala

Gemäß dem julianischen Kalender feiern unsere orthodoxen Schwestern und Brüder heute den Hl. Johannes den Täufer. Dieses Fest ist verbunden mit einigen Volkstraditionen. Eine Frau aus der Gemeinde erzählte, wie sie als Kinder einen Blumenkranz geflochten und ihn dann aufs Wasser gesetzt haben. Und jemand ergänzte, „An so einem Tag bleibt man nicht trocken“ und wollte schon mit einer Tasse Wasser ausholen, um uns nass zu spritzen. – Ich hab das dann am Abend nachgeholt und bin in der nahen Wolga baden gewesen (Foto). Eine willkommene Abkühlung.

Der Weg nach unten

Bei den derzeitigen Temperaturen flüchte ich gern aus meinem Dachgeschoss nach unten. Im Pfarrhaus arbeiten die Caritas-PflegerInnen im Kellergeschoss bei angenehmeren Temperaturen. Und im Saal unter der Kirche ist es jetzt ebenso angenehem. Deshalb wollen wir in dieser Woche dort Korridor und Saal malern. Als ich heut die Farbe kaufte, zeigte das Thermometer unterwegs 40°C.

Wohnungssegnung

Anfang des Jahres musste die geplante Wohnungssegnung bei einer Familie wegen Krankheit ausfallen, dann hatten sie eine schwere Zeit: eine Nacht konnten sie nicht schlafen, Kopfschmerzen, Erbrechen. Sie riefen die Schnelle Medizinische Hilfe und bekamen gesagt, dass sie bis zum Morgen warten sollen, dann wird es bestimmt besser. Nachdem am Morgen jemand von ihnen das Bewusstsein verlor, riefen sie erneut und wurden schnell ins Krankenhaus gebracht, da im Haus Gas austrat. Mit Lungenbeschwerden hatte besonders die Oma länger zu kämpfen. Nun sind sie – Gott sei es gedankt – alle wieder wohlauf und wir holten die Wohnungssegnung nach. Lena zeigte uns ihren Zoo aus Knete-Tieren.

Am Nachmittag fuhren wir bei 37°C zum Gottesdienst nach Stepnoje. Die Glocke wurde wie üblich bei unserer Ankunft geläutet (Foto). Doch die meisten Kinder haben sie wohl beim Baden am Fluss nicht gehört. Mit einem Ural-Seitenwagen-Motorrad brachte ein Jugendlicher noch frische Milch von zu Hause.

Fahrt auf die Dörfer

Erstmals seit mehreren Monaten haben wir wieder mit den Katechesen in Raskatovo und in Rjasanovka begonnen. Die Teilnehmer kennen sich alle und haben meist auch außerhalb der Katechesen miteinander Kontakt. In Rjasanovka (Foto) bewegte die Seniorinnen heute die Frage, was mit denen geworden ist, die früher auch zur Katechese/ zum Gottesdienst kamen, aber irgendwann damit aufgehört haben. Fehlt ihnen nichts? Gestalten sie ihr Leben aus dem Glauben an Gott? Besonders nahe geht die Frage in Bezug auf die eigenen Kinder und Enkel, welche bei unseren Frauen der Katechesegruppe einen festen Platz im Gebet haben.

Besuch auf der Datscha

Heute ist in Russland staatlicher Feiertag anlässlich des letzten Tages einer Woche, an welchen die Bürger für oder gegen die Verfassungsänderung abstimmen. Die katholische Bischofskonferenz hatte die Gläubigen aufgerufen, von ihrem demokratischen Wahlrecht Gebrauch zu machen. Unter anderem soll bei der Änderung ein Gottesbezug aufgenommen werden: „Die Russ. Förderation, die geeint ist durch eine tausendjährge Geschichte und die die Erinerung an die Vorfahren bewahrt, die uns die Ideale und den Glauben an Gott übermittelt haben sowie die Kontinuität des russ. Staates, bekennt sich zu dessen historisch begründeter Einheit.“ Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass der Passus Auswirkungen auf die Stellung der Kirchen hat.

Eine Familie hatte an diesem freien Tag zu sich auf die Datsche eingeladen, wo es u.a. frisch gepflückte Himbeeren gab.

die Bitte zu beten

Öfter kommen bei unserer Caritasstation Anfragen, einen Rollator, Krücken, Rollstuhl oder Krankenbett auzuleihen, gegen eine Spende, soweit es den Angehörigen möglich ist. In Marx ist das die einzige Möglichkeit. Heute begleitete ich unsere drei CaritaspflegerInnen, um auf dem Dorf ein Krankenbett zurückzuholen. Dem Kranken geht es zwar nicht besser, aber die Angehörigen wollen ihn aufs Sofa legen und so die monatliche Spende für das Bett einsparen. Die Anfrage nach Betten ist da, so brachten wir das Bett gleich zu einem Kranken in Marx. Zwischendurch besuchten wir einen jungen Mann (Foto), der nach einem Schlaganfall ebenfalls von der Caritas ein Bett bekam. Die Freude über den Besuch war groß und wir wurden gebeten, da wir doch von der Kirche kommen, mit ihm zu beten.

Liturgie der Chrisammesse

Wie wohl fast überall konnte die Weihe der Öle, welche für die Sakramente der Taufe, Firmung und Krankensalbung verwendet werden, dieses Jahr in der Karwoche nicht stattfinden. Heute, am Fest Peter und Paul, dem Patronatsfest der Kathedrale in Saratov, wurden durch Bischof Clemens die Heiligen Öle geweiht. Eingeladen waren die neuernannten Dekane und wir Marxer als nahe Nachbarn. In dieser Liturgie erneuern die Priester auch ihr Weiheversprechen, was ich sehr gut mit meinem zeitnahen Weihejubiläum verbinden konnte.