Heimaturlaub

Vertretungen für die Pfarrei haben sich in Saratov und Togliatti gefunden, ein Billet für einen Lufthansa-Sonderflug nach Frankfurt hab ich bekommen, so darf ich heute Abend in den Heimaturlaub gehen. Hier in der Pfarrei haben mit dem Schuljahr wieder die Katechesen begonnen und manches ist am Laufen, aber einen idealen Zeitpunkt für Urlaub scheint es nicht zu geben. Nun freue ich mich auf ein Familientreffen, Besuche bei Bekannten, in unserer Partnergemeinde in Dresden, Exerzitien mit den Mitbrüdern meines Weihekurses und wieder hier im Bistum Südrussland: Priestertreffen in Rostov am Don. Am 17. Oktober hoffe ich, hier etwas davon erzählen zu können. Bis dahin, bleiben Sie gesund und unter Gottes Segen.

Taufe

Heute in der Frühmesse wurde der 3 Monate alte Timofej getauft. Aus Mangel an Arbeit zog die Familie vor wenigen Jahren nach Surgut in Sibirien. Jetzt scheint die Arbeitssituation auch dort nicht leicht zu sein, der Vater fährt zur Arbeit ins entfernte Moskau. Da hier keine speziellen Taufkerzen erhältlich sind, übergeben wir von der Pfarrei üblichweise der Familie eine gestaltete Taufkerze. Herzlichen Dank an M. (gebürtig aus dem Bistum Görlitz), die seit einigen Jahren ansprechende Taufkerzen für uns gestaltet.

Ämtergänge

Vor einem halben Jahr haben wir die ersten Schritte unternommen, für unser Pfarrhaus den Status eines bewohnten Hauses zu bekommen. Schließlich wohnt der Pfarrer ständig drin und der Ruhestandspfarrer halbjährlich. Das Grundstück wurde neu vermessen, Änderungen im Katasterverzeichnis vorgenommen. Nun endlich konnten wir den Antrag bei der Stadtverwaltung abgeben. Eine Kommission wird dies nun entscheiden. Eine Schwierigkeit dabei scheint zu sein, dass der Typ eines Pfarrhauses für Außenstehende schwer in die bestehenden Kategorien einzuordnen ist. So versuchen wir den tatsächlichen Betrieb zu erklären. (Foto von Mai)

Beginn der regelmäßigen Katechesen

Der Religionsunterricht findet bei uns als sog. Sonntagsschule statt, d.h. verschiedene Katechesegruppen treffen sich nach dem Sonntagsgottesdienst. Heute haben wir in Marx mit 4 Gruppen die regelmäßigen Treffen wieder begonnen: Jüngere Kinder (Foto), Erstkommunionvorbereitung, Jugend und Erwachsene, die sich auf den Empfang eines Sakraments vorbereiten. Auch in der Schule lernen die Schüler jetzt wieder gemeinsam in der Klasse. Besonders die Sakramentenvorbereitungen sollen jetzt, nach der langen Zwangspause, intensiv fortgesetzt werden.

Glaubenszeugnisse

Zwei Wochen war die Ikone Maria – Mutter des göttlichen Wortes in unserer Gemeinde in Pensa bisher in den Häusern. Die Gastgeber bzw. Beter sind eingeladen, ihre Erfahrungen während dieser Woche, in welcher die Ikone bei ihnen zu Hause ist, in ein begleitendes Tagebuch zu schreiben bzw. im Gottesdienst mitzuteilen. Es waren sehr persönliche Zeugnisse über konkrete geistliche Erfahrungen der Woche, welche bisher zwei Frauen allen mitteilten. Dass solche persönlichen Bekenntnisse möglich sind, lässt einmal mehr wieder spüren, dass die versammelte Gemeinde, bei allen Verschiedenheiten der einzelnen, Brüder und Schwestern vor dem Herrn sind.

Gute Worte

Bei der heutigen Hauskommunion erzählten zwei der älteren Frauen, wie überflüssig sie sich manchmal vorkommen. Die Verwandten sind zerstritten, das Geld spielt eine große Rolle und sie sehnen sich nach menschlicher Wärme, nach guten Worten. Auch eine Frau erzählte, dass sie ihren 10-jährigen Enkel jetzt bei sich hat, der bei seinen Eltern wenig Wertschätzung und Zärtlichkeit erfährt. Wieviel kann doch ein gutes Wort bewirken!

Mit P. Diogenes sind wir heute um 4:30 zum Angeln an einen See aufgebrochen. Es war eine gute Erfahrung des Morgengrauens, des stillen Sees mit dem aufsteigenden Nebel, des kurzen Gedankensammelns zum Sonntagsevangelium, nur leider nicht die Erfahrung des Fischefangens. Dann eben das nächste mal!

Ausflug mit dem Müttergebetskreis

Jeden Sonntag nach der Hl. Messe treffen sich einige, meist ältere Mütter zum gemeinsamen Gebet in der Kirche. Sie sind damit verbunden mit einem Kreis weltweit betender Mütter. Nach einer Pause, bedingt durch die Pandemieeinschränkungen, beginnen sie nun wieder das gemeinsame Gebet in der Kirche. Heute unternahmen wir einen Tagesausflug. Nach Hl. Messe und gemeinsamen Frühstück bescuhten wir in Saratov ein orthodoxes Museum, erfuhren Interessantes über die orthodoxe Kirchengeschichte in Saratov und konnten bestickte liturgische Kleidung, Ikonen, Evangeliare und sogar zwei Apostelfiguren besichtigen. In der Zeit des Barocks gab es eine Periode, in welcher auch figürliche Darstellungen in orthodoxen Kirchen Platz fanden, welche jedoch später zugunsten der Ikonen wieder entfernt wurden. Nach einem Besuch in der katholischen Kathedrale luden Bischof Clemens und die Schwestern zum Mittagessen ein.

1. September

Heute ist nicht nur der Weltgebetstag der Schöpfung, zu dem Papst Franziskus eine Botschaft verfasst hat, in Russland zählt der 1. September als Herbstanfang und es ist der erste Schultag. Aus diesem Grund wird heute in den Geschäften kein Alkohol verkauft. Unterwegs in der Stadt sah ich einige Schüler in schicker Schuluniform. Eine Frau aus unserer Gemeinde schickte Fotos von ihrem beiden Enkeln in Schuluniform. Sie wohnen auf einem unserer Dörfer. Jetzt sucht sie Hausaufgabenhefte für die beiden, die nicht gerade rosa aussehen, sondern z.B. ein sportliches Auto auf dem Umschlag zeigen. In Marx war derartiges heute nicht mehr zu finden.

Heut beim Frisör fragte die Friseuse, ob es etwas mehr kürzer sein soll? Da nach meiner Erfahrung die Frisöre oft zaghaft sind, bejahte ich. Als ich wieder in den Spiegel sah, hatte sie das Schneiden mit dem auf 6 mm eingestellten Apparat schon begonnen. Aber es sind jetzt tagsüber mehr als 30°C und viel hab ich eh nicht zu verlieren 🙂

Schülersegnung

Die meisten Schüler waren im März das letzte mal in der Schule, dann folgte das Lernen zu Hause und 3 Monate Sommerferien, welche morgen zu Ende gehen. Der Unterricht wird in manchen Schulen in 2 „Schichten“ durchgeführt, um die Abstandsregeln einzuhalten: am Vormittag die Älteren, am Nachmittag die Jüngeren. Es wird erzählt, dass bald wieder zum häuslichen Lernen übergegangen wird, denn nach wie vor werden täglich Neuinfizierte gemeldet.

Am Ende des Gottesdienstes wurden die 4 Schulanfänger, sowie alle Schüler, Studenten und Erzieher gesegnet, reichlich Weihwasser gehört dazu. Am 1. September ist nach alter Tadition Schulbeginn. Dank Sachß udn Geldspenden konnten wir den Schülern Hefte und Schreibmaterialien überreichen. In der Stadt gibt es auch eine Organisation, welche um Schulbedarfsmittel bittet, um sie bedürftigen Familien weiterzugeben.

Jugendfahrt nach Togliatti

Als wir uns heute nach dem Mittagessen in Togliatti wieder auf den Heimweg begaben, wären manche gern noch länger geblieben. Inhaltlich standen die Tage unter dem heutigen Tagesheiligen, dem Kirchenvater Augustinus. Einen Film über sein Leben schauten wir, Anbetung und Beichtgelegenheit ist bei Jugendtreffen ein Element und gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem 2 h enfernten Samara unternahmen wir gestern einen Ausflug in die Berge. Als Pfarrer bin ich dankbar, durch die gemeinsamen Tage wieder einen kleinen Einblick in die Lebenswelt der Jugendlichen bekommen zu haben, in ihre Suche nach einem glücklichen Leben. Mögen sie auf dieser Suche inspriert worden sein von Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“