Besuch aus Togliatti

P. Arthur kündigte sich vor wenigen Tagen an, mit einer Jugendgruppe zu uns zu kommen. Einige sagten kurzfristig ab, so verblieben zwei Interessierte. P. Arthur fuhr auch mit dieser Kleinstgruppe, da die beiden bisher kaum befreundet waren, was sich auf der Freizeit änderte. Drei Tage wohnten sie bei uns im Pfarrhaus, erkundeten per Fahrrad die Natur und besuchten in Saratov die Kathedrale, Kino, Bowling und den städtischen Park „Kultur und Erholung“ mit verschiedenen Attraktionen. Heute traten sie wieder die Rückreise an.

Katechese in Stepnoje

Erstmals seit Beginn der Pandemie trafen wir uns heute wieder zur Katechese in Gruppen in Stepnoje. Auf dem Dorf scheint die Pandemie das Leben weniger zu beeinflussen. Dennoch kamen alle, auch die Kinder mit Maske. Mit drei Gruppen beginnen wir die Katechese: Kinder, Teenies und Erwachsene.

Während in Saratov die Kinder zusätzliche Schulferien bekamen, um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, gehen die Marxer Schüler weiter zur Schule. Die statistischen Zahlen der Neuinfizierten für Marx steigen moderat, allerdings sagte jemand, dass jetzt täglich 6 bis 7 Beerdigungen auf dem Marxer Friedhof sind und in den Apotheken seien die Antibiotika ausverkauft. Das örtliche Krankenhaus wird nächste Woche eine Koronastation eröffnen.

Herbst

Heute nach dem Sonntagsgottesdienst setzte ein Starkregen ein. Da die meisten keinen Schirm mit hatten, nutzten einige noch die Zeit im Trockenen zum Erzählen. Ein starker Wind trug die Regenwolken dann gen Osten, so konnte am späten Nachmittag dieses Foto an einem Wolgaarm entstehen. Hier in Russland wurde uns heute keine Stunde geschenkt, somit sind wir jetzt zu Deutschland drei Stunden voraus.

Freud und Leid

Kurzer Eintrag nach einem angefüllltem Tag: In Marx empfing am Morgen der kleine Wladislaw das Sakrament der Taufe. Sein Vater war früher Ministrant, dann hatte er den Kontakt zur Kirche fast verloren, die Taufe des Sohnes ist hoffentlich ein Schritt für ihn, Glaube wieder bewusster zu leben. Schwester Helena hat gleich ein Folgetreffen mit dem Elternpaar vereinbart.

In Pensa wollten wir vor der Hl. Messe zu einer 90-jährigen Frau zur Hauskommunion fahren. Vorgestern ist sie verstorben, so haben wir die gebürtige Litauerin heute beerdigt. Vor der Hl. Messe betete Schwester Laura mit der Gemeinde den Missions-Rosenkranz, bei welchem für die Nöte auf jedem Kontinent der Erde gebetet wird. (Foto).

Ein Hausbesuch ließ dann die Rückkehr etwas später werden.

Missionare

Drei ältere Frauen konnten heute nur zur Katechese in Rjasanovka kommen. Es war beeindruckend, wie couragiert sie ihren Glauben leben. Zwei sagten, dass sie sich öfter im gleichen Stadtbus treffen, wenn sie zur Kirche fahren. Nicht selten sprechen sie dabei über ihren Glauben und manchmal wird es dann ganz still im kleinen Stadtbus und die anderen Passagiere lauschen ihnen. Eine Frau hatte sie daraufhin einmal angesprochen und etwas über den Glauben gefragt.

Ähnliche Erfahrung, als eine der Frauen im Krankenhaus lag und auch dort selbstverständlich betete und über den Glauben sprach: Sie sagte, mit einer Bettnachbarin ist sie bis heute im Kontakt. Und als einmal der orthodoxe Pfarrer ins Krankenhaus kam, konnte sie einen Mann bewegen, doch zur Beichte zu gehen. „Wir wissen doch nie, welcher unser letzter Tag sein wird“.

Von der Bereitschaft für die letzte Stunde zeugt auch das, was eine der drei Frauen erzählte: Wenn ihr nachts ganz schlecht wird, dann versucht sie aufzstehen und die Haustür zu öffnen, damit sie dann leicht gefunden werden kann.

Balakovo

Balakovo ist unsere nördlich gelegene Nachbarkreisstadt, 100 km entfernt. Sie ist ein Zentrum für Energieerzeugung: die Wolga ist angestaut für ein Wasserkraftwerk, auch ein Atomkraftwerk befindet sich dort. Als ich heute für eine Besorgung dorthin fuhr, schaute ich mir die orthodoxe Kirche „Christi Geburt“ an, ein Beispiel für modernen orthodoxen Kirchbau. Vor 4 Jahren wurde sie eingeweiht. Das Gebiet gehört auch zu unserer Pfarrei, auch wenn kaum Katholiken dort wohnen. Vor einigen Monaten verstarb auf einem Dorf unweit von Balakovo ein katholischer Mann mit russlanddeutschen Wurzeln. Leider erst nach dem Tod nahmen die Verwandten Kontakt zur Pfarrei auf. Da ich zur Beerdigung damals nicht hinfahren konnte, trafen wir uns heute an seinem Grab, um gemeinsam zu beten und das Grab zu segnen.

Kleiderkammer

Vor kurzem bekamen wir einen Brief von einer Frau, die bald aus dem Gefängnis entlassen wird und um zivile Kleidung bat. Lydia,die seit mehreren Jahren die Kleiderkammer unserer Gemeinde betreut, suchte einige passende Sachen zusammen, die wir an die Frau schicken. Erfreulicherweise bringen Leute aus der Stad und von unseren Dörfern guterhaltene Kleidung zum Weitergeben. Sogar aus Krasnodar bekamen wir von P. Marcus Pakete mit Kleidung. Ein Paket mit einem Wintermantel ist aus Deutschland unterwegs zu uns.

Auf den Spuren der Russlanddeutschen war ich heute mit Bischof Clemens unterwegs in ein Dorf namens Schönchen, von dem heute nichts mehr erhalten ist. Nur Bäume, Schutthügel und ein eingetrocknetes Flussbett lassen noch das einstige Dorf erahnen. Fast jedes Dorf hatte auch seine Mühle(n). Ein Mühlstein aus Granit zeugt noch davon (Foto). Zur Erinnerung an die 1941 allesamt deportierten Einwohner des katholischen Dorfes soll ein Kreuz aufgestellt werden.

Verabschiedung

Dreieinhalb Jahre wirkte Schwester Maria in unserer Pfarrei. Jetzt ist sie von ihrem Orden an einen neuen Ort berufen worden. Heute nach dem Gemeindegottesdienst bedankten sich viele aus der Gemeinde bei ihr, besonders auch für ihre offene, zugängliche Art. An ihre Stelle als Oberin kommt Schwester Marina nach Marx – zurück, denn hier war sie bis vor drei Jahren tätig.

In Stepnoje empfing heute die 9 Monate junge Alissa von Bischof Clemens das Sakrament der Taufe.

Blick auf erlebnisreiche Wochen

Heute Abend bin ich wieder gut in Marx angekommen – Gott sei es gedankt. Besonders die Begegnungen der letzten Wochen sind etwas Bleibendes. Das Reisen war in diesen Zeiten erwartungsgemäß etwas komplizierter: Nachtflüge nach und von Frankfurt aus, vorgeschriebene Coronatests bei Grenzübertritt, Übernachtung auf dem Flughafen… Und gemütsmäßig fuhr es sich für mich von Russland nach Deutschland etwas leichter als umgekehrt. Eine gute Einstimmung bildete jetzt das Priestertreffen in Rostov am Don, welches heute morgen endete.

Heimaturlaub

Vertretungen für die Pfarrei haben sich in Saratov und Togliatti gefunden, ein Billet für einen Lufthansa-Sonderflug nach Frankfurt hab ich bekommen, so darf ich heute Abend in den Heimaturlaub gehen. Hier in der Pfarrei haben mit dem Schuljahr wieder die Katechesen begonnen und manches ist am Laufen, aber einen idealen Zeitpunkt für Urlaub scheint es nicht zu geben. Nun freue ich mich auf ein Familientreffen, Besuche bei Bekannten, in unserer Partnergemeinde in Dresden, Exerzitien mit den Mitbrüdern meines Weihekurses und wieder hier im Bistum Südrussland: Priestertreffen in Rostov am Don. Am 17. Oktober hoffe ich, hier etwas davon erzählen zu können. Bis dahin, bleiben Sie gesund und unter Gottes Segen.