Kalte Tage

Bei uns erleben wir jetzt die bisher kältesten Tage dieses Winters. Heute morgen zeigte das Thermometer -26°C. Es ist eine trockene Kälte, ohne Wind. Die Schüler haben wegen den Temperaturen teilweise schulfrei, aber nicht so in Stepnoje, wo weiterhin die Schüler mit dem Schulbus ins Nachbardorf zur Schule fahren müssen. Nicht alle haben ihr Haus gut mit Außenisolation nachgerüstet. Beim gestrigen Hausbesuch zur Wohnungssegnung schaffte die Gasheizung nicht die gewünschte Zimmertemperatur, aber beim heißen Tee war das gut auszuhalten.

Orthodoxes Fest Taufe des Herrn

In die Gebetswoche für die Einheit der Christen fällt der orthodoxe Termin für das Fest der Taufe des Herrn. Kurz vor Mitternacht trafen sich ca. 40 Gläubige (wir waren mit 7 Katholiken unserer Pfarrei vertreten) in der orthodoxen Kirche und zogen in Prozession zur Wolga. Laut knirschte der Schnee unter den Schuhen bei -17°C. Auf der zugefrorenen Wolga war ein Kreuz aus Wolgaeis ausgesägt und errichtet. Um Mitternacht wurde das Wasser der Wolga gesegnet. Nach orthodoxem Brauch gilt von 0 bis 6 Uhr alles Wasser, das der Wolga wie auch das Wasser aus dem Wasserhahn, als geweihtes Wasser. Der Geistliche empfahl, das Wasser dieser Nacht das ganze Jahr über aufzubewahren. Bei Krankheit und in Schwierigkeiten vermittele es Gottes Kraft und Gnade. Nach der Segnensandacht fanden sich nicht wenige zum Eintauchen im gesegneten Wasser, wobei man sich bekreuzigt. Der heiße Tee, der anschließend gereicht wird, diente uns in erster Linie zum Finger wärmen.

Haussegnung in Stepnoje

Hausbesuche wie zur Wohnungssegnung sind bei uns nicht untersagt. Jede Familie entscheidet selbst, ob sie die Wohnung segnen lassen oder selbst mit geweihter Kreide und einer Gebetsvorlage das Haus segnen. Heute in Stepnoje sagte jemand, dass wir besser nicht kommen sollen, da ihre Mutter erkrankt ist. Eine andere Frau möchte keinen Kontakt mit Leuten außerhalb des Dorfes riskieren. Dennoch blieben heute 7 Familien, die eine Haussegnung wünschten.So zogen wir mit drei jugendlichen Sängerinnen bei -18°C durchs Dorf.

Unter einem Dach

Zur Pfarrhaussegnung kamen heute diejenigen zusammen, die unter dem Dach des Pfarrhauses arbeiten oder leben. Das sind v.l.n.r. O., Altenpfleger bei der Caritas, T. kocht im Nachbarhaus mein Mitaggessen, M. als Hauswirtschafterin, V., der Hausmeister für das Grundstück, S. als Buchhalterin, M. und O., ebenfalls Pflegerinnen bei der Caritas. Dazu gehören noch Pater Reinhard, der seit Pandemiebeginn leider nicht nach Russland einreisen darf und die Schwestern.

Winter

Gestern Abend begann ein „Metel“ (Betonung auf der zweiten Silbe). Das ist die mittlere Stufe von Schneefall mit Wind. Das Russische kennt drei verschieden Wörter für Schneefall. So gab es heute hohe Verwehungen auf unserem Grundstück. Alles ist feiner Pulverschnee, ideal für die Langlaufloipen um Marx. Auf dem Foto räumt die Jugendbrigade vom Nachbarhaus den Schnee und einige haben ihre Freude an den Schneehaufen.

Hausbesuch

Zur Haussegnung war ich heut bei einer Familie mit drei Kindern (von den gleichen Eltern, hier durchaus keine Selbstverständlichkeit). Er hat Arbeit im Milchkombinat in Marx. Ihr kleines Häuschen haben sie sich schön hergerichtet, sogar mit einer Kamin-Imitation aus Karton. Beim Gebet sprachen alle Kinder das „Vater unser“ mit (auch nicht selbstverständlich). Von selbst begannen sie das Thema der kirchlichen Heirat. Seit 9 Jahren leben sie zusammen. Für die katholische Frau heißt das, dass sie ohne kirchliche Trauung die Sakramente nicht empfangen kann, er ist orthodox. Zwei Anläufe für die Ehevorbereitungsgespräche hatten sie in den vergangenen Jahren bereits unternommen, aber dann beim Beginn wieder abgesagt. Nun wollen wir uns nächste Woche zum Gespräch treffen. Hoffentlich kommt es diesmal zustande.

Der Familie durfte ich eine Weihnachtskrippe von G. aus Dresden überreichen, über die sie sich sehr freuten. Die Mutter erzählte, dass sie schon Vorstellungen hatte, selbst Krippenfiguren zu basteln. Vielleicht werden es jetzt Hirten, Schafe und 3 Könige als Ergänzung.

Hilfe bei Überwindung von Schwellenangst

Die orthodoxe, ehemalige Arbeitskollegin von Alexandra, einer Frau aus unserer Gemeinde, wollte gern die Wohnungssegnung, aber scheute sich zu fragen. Alexandra half ihr über die sog. Schwellenangst und gemeinsam gingen wir heute zu ihr, um Bewohner und Wohnung zu segnen. Sie holte alle ihre Ikonen hervor und erzählte, wie sie zu ihnen kam. Sie würde auch gern zur Kirche kommen, dann, wenn Alexandra auch da ist.

In Stepnoje begannen wir heute die Katechesen im neuen Jahr. Zum Schluss trafen sich die drei Katechesgruppen, um sich über ein Feuerwerk zu freuen, welches Bischof Clemens zu diesem Anlass gestiftet hatte.

Haussegnung

Bei der Haussegnung ist die Möglichkeit, geweihte Kreide, Weihrauch und einen Gebetsvorschlag mit nach Hause zu nehmen und in der Familie selbst die Wohnung zu segnen oder sich in die Besuchsliste einzuschreiben. In einem unserer Dörfer wünschten heute acht Familien den Hausbesuch. Für viele von ihnen ist es der einzige Kontakt im Laufe des Jahres mit Kirche. Außer einem älteren Ehepaar mit ihrer erwachsenen Tochter trafen wir jeweils nur Einzelne der ganzen Familie zu Hause an, die uns aber herzlich empfingen.

Foto links: unsere Haussegnunggruppe (Sr. Marina, Dascha aus Raskotovo, die die Tour organisierte und Jugendliche aus Marx) vor dem Gebäude der ehem. kath. Kirche (heute Dorfclub).

Zurück aus Moskau

Wenn man von Marx nach Moskau kommt, scheinen die Gemeinsamkeiten der beiden Städte lediglich im ersten Buchstaben zu liegen. Moskau ist nicht repräsentantiv für Russland, heißt es.

Für mich war es ein willkommener Tapetenwechsel, eine angenehme gemeinsame Zeit mit dem Mitbruder aus meinem Heimatbistum, bereichernde Begegnungen mit interessanten Leuten und erholsame Tage. Das Foto zeigt uns vor der Hauptkirche des dem Donskoi-Klosters, mit angrenzendem Friedhof, gestern am orthodoxen Weihnachtsfest.

Winterausflug

Es ist schon fast eine Tradition, dass wir mit Interessierten aus der Gemeinde in den Neujahrsferien in den zweieinhalb Autostunden entfernten Kurort Chwalinsk fahren. Heute hatten viele Leute diese Idee, so bekamen diejenigen, die in das Thermalbad gehen wollten, nur eine 2h-Karte, damit das Bad nicht wegen Überfüllung andere abweisen muss. In Chwalinsk kann man auch Schlittschuh laufen, sich einen Motorschlitten ausleihen oder eben Abfahrtsski fahren. Drei Skifahrer waren wir und genossen die wunderbaren Schneeverhältnisse.

Morgen werde ich in Moskau einen Mitbruder aus meinem Heimatbistum besuchen, Pfr. Lothar Vierhock, er ist Pfarrer in der deutschsprachigen Gemeinde St. Elisabeth. So erscheint der nächste Blogbeitrag erst am Freitag.