Dorfkirchen (Nachtrag)

Für die Teilnehmer der Pastoralkonferenz stand gestern DSC_5934.jpgein Ausflug zu 3 ehemaligen Dorfkirchen der wolgadeutschen Katholiken bzw. Protestanten auf dem Programm. Quer durch die Steppe fuhren wir nach Mariental, der größten Kirchruine. Die Kirchen durchlitten ein ähnliches Schicksal: Ende des 19. Jhd. von den Gläubigen erbaut, wurden sie bereits wenige Jahre nach der Oktoberrevolution von geschlossen und zweckentfremdet benutzt. Spätestens in den 90er Jahren, als die Gebäude nicht mehr genutzt wurden, verfielen sie, mit Ausnahme der kath. Kirche in Raskatovo, die bis heute noch als Dorfclub genutzt wird, trotz ihrer Baufälligkeit.

Heute schmerzt der Anblick der Ruinen, wenn man sich vorstellt, welch blühendes kirchliches Leben hier einst bestand, wieviel Menschen ihres Glaubens wegen umgebracht oder inhaftiert wurden. Das Video zeigt  einen Teil unseres Gebetes für die Verstorbenen.

Konzert Orgel und Klarinette

Sehr naheliegende Themen standen heute auf dem Arbeitsplan bei unserer Pastoralkonferenz: Pfarreientwicklung, DSC_5925Sakramentenvorbereitung, Effektivität, missionarische Sendung. Bei der Gruppenarbeit war wieder einmal zu spüren, aus welch verschiedenen Ländern mit ihrer eigenen religiösen Prägung die einzelnen herkommen.

Am Abend fand in unserer Kirche ein Konzert für Orgel und Klarinette, sowie Duduk, ein armenisches Blasinstrumengt, statt. Die beiden Musiker reisten eigens aus Astrachan an.

Auf unsere Dörfer

Über schlecht geflickte Straßen durch die weite Steppe fuhren wir mit Bischof Heinrich nach Stepnoje, eines unserer Dörfer. HeDSC_5910rzlich wurde er empfangen,  nach der Maiandacht luden die Stepnojer zu Saft, Kuchen und Tee ein, alles selbst gemacht, sogar der Tee ist aus Steppenkräutern gesammelt. In einem weiteren Dorf bei Tante Beate, erzählte sie aus ihrer bewegten russlanddeutschen Lebensgschichte.

Auf die Frage nach meiner Freistellung antwortete Bischof Heinrich, dass er jetzt nicht gekommen sei, um mich zu holen.

Heute Abend beginnt die Pastoralkonferenz in Marx, mit Bischof Heinrich, der dann morgen weiterreicst.

Bischof Heinrich aus Dresden

Viele Gemeindemitglieder waren heute zur Abendmesse gekommen, um meinen Heimatbischof, Heinrich Timmerevers aus Dresden zu begrüßen. Weil Bischof Clemens aus seinem Bistum stammt und ich jetzt für 5 Jahre hierher freigestellt bin, möchte er uns hier besuchen. Nach der Hl. Messe begrüßte ihn die Gemeinde nach alter russischer Tradition mit Brot und Salz, sowie Blumen. Bei hochsommerlichen Temperaturen und auch den ersten Mücken luden die Schwestern zum Schaschlick ein. Mit Bischof Clemens waren sie heute in Saratov und an der Ruine einer Dorfkirche in einem der ehemals deutschen Wolgadörfern. Die nächsten Tage sind dann in der Pfarrei Marx geplant.

Für unsere Klosterbauer war heute gleichzeitig der Abschiedsabend (als Besonderheit: mit ihrem Bischof). Morgen fliegen sie wieder zurück. Vergelt’s Ihnen Gott! DSC_5901

Bald Schulferien

Ende Mai endet das Schuljahr, dann folgen 3 Monate Schulferien. Für uns war es in Stepnoje heute bereits die letzte Katechese vor den Schulferien, so kamen alle drei Katechesegruppen im Dorfclub zusammen zu Spiel und Teetrinken. Bei den Kindern war schon die Vorfreude auf die Religiöse Kinderwoche zu spüren.

In Marx besserten nicht nur die Klosterbauer Stellen um die Kirche herum aus, eine Landschafts-Gestaltungsfirma bepflanzte unsere Rabatten so, dass kein Unkraut wächst, wir nicht jeden Tag gießen müssen und es schön aussieht – noch rechtzeitig, bevor die Pastoralkonferenz des Bistums am Donnerstag in Marx beginnt.

Klosterbauer im Einsatz

„Heute ist ja schon Freitag“, stellten zwei der Klosterbauer überrascht fest. Oft ist es ja umgekehrt, nämlich dass der Freitag im Laufe der Arbeitswoche herbeigesehnt wird. Mit viel Elan gehen sie an die kleinen und größeren Arbeiten in Häusern und Grundstück heran, ungeachtet der fast hochsommerlichen Temperaturen, ungeachtet des Alters (ihr Alterpräsident darf auf 80 Lebensjahre schauen). Für uns ist es eine große Hilfe. Eine Frau aus der Gemeinde hat bereits mehrfach für die Gäste gebacken, frische Milch wurde vom Dorf mitgegeben… Vergelts Gott all ihnen.

Tag des Sieges

Er zählt mDSC_5847it Neujahr zu den höchsten Feiertagen im Jahr.  Etwas Bedenken hatten wir mit den Klosterbauern, ob man an so einem Tag im Grundstück arbeiten darf? Aber fast alle Geschäfte hatten geöffnet und andere arbeiteten auch. Am Nachmittag wollten wir zum Gedenkmarsch der Unsterblichen in die Stadt fahren. Es ist ein langer Zug, bei dem die meisten ein Foto von einem Verwandten tragen, welcher im Krieg gefallen ist. Eine Frau aus der Gemeinde erzählte, dass ihre beiden Enkel sie fragten, in der Klasse tragen alle ein Foto, nur sie hätten keines. Da ließ die Oma gleich zwei Fotos von verwandten Gefallenen anfertigen (Foto).

Bevor dieser Zug begann, hatten wir noch Zeit und schauten uns die orthodoxe Kirche an. Dort lud uns der Pfarrer ein, zu einer FeierrundIMG-20190509-WA0003e mit Gemeindemitgliedern dazuzukommen. Für uns war es ein überwältigendes Zeugnis russischer Gastfreundschaft. Ein voll gedeckter Tisch, Tischreden, immer wieder auch auf den Frieden und unser gutes Miteinander und gesungen wurde, russisch und deutsch. Als wir uns verabschiedeten, war der Gedenkmarsch längst vorbei.