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RKW- der zweite Tag

Für die Kinder war heute ein straffes Programm geplant: jeweils zwei mal Katechese, praktische Beschäftigung, Musikstunde, eine Hygiene-Einheit bei der Caritas, Backen mit unserer armenischen Schwester Amas, jeden Tag feiern wir gemeinsam Heilige Messe. Nicht nur einmal hörte ich heute, das beste an der RKW sei das Essen. Eine Helferin feierte heute ihren Geburtstag.

Morgen packen wir Zelte und Sachen für die Natur und fahren für zwei Tage in die Steppe, an einen Fluss, ohne Strom. Am Samstag kehren wir zurück in die Zivilisation.

Vergelte Böses mit Gutem

… dieser Aufruf war dem seligen Georg Matulaitis wichtig und so lautet unser Thema der Religiösen Kinderwoche. 30 Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren kamen heute am ersten Tag der RKW, unter ihnen die Kinder von der Nachbarpfarrei Saratov, von unserem Kinderzentrum und aus Stepnoje. Bis Sonntag dauert die Kinderwoche, zwei Tage davon planen wir in der Steppe zu zelten.

Schnell wurden heute Freundschaften geschlossen. Manche brachten einen besonders großen Appetit mit. Schließlich war das Essen auch lecker, welches zwei ältere kocherfahrene Frauen mit viel Mühe zubereitet hatten.

Komm, heiliger Geist!

Auch auf russisch sind die Pfingstlieder, Gebetstexte, die Pfingstnovene oft flehend formuliert. Vermutlich haben einige die Bitten um den Geist der Frieden schafft, besonders innig gebetet.

Unsere Pfarrkirche war festlich geschmückt. Die Ministranten wurden verstärkt durch Anton aus Sankt Petersburg, der die Ferien über hier bei seiner Oma ist. Und auch die Mädchen, die bei der Prozession vor dem Allerheilgsten Blumen streuen, waren zahlenmäßig gut vertreten.

Am Nachmittag fuhren wir aufs Dorf nach Stepnoje, wo heute fast nur Kinder zur Kirche kamen. Ein Grund dafür mögen die Anmeldungen zur Kinderwoche gewesen sein, die heute verteilt wurden.

Erste Sitzung des Pfarrgemeinderates

Heute traf sich der neugewählte PGR das erste mal, 5 gewählte Mitglieder, zwei Geborene und ein Berufenes. Zum synodale Prozess hatten wir in der Pfarrei bisher kaum gearbeitet, so bildete dieses Thema heute den Schwerpunkt. Als eine Not wurde benannt, dass manche Gemeindemitglieder die Beerdigungskosten für Angehörige nicht bezahlen können. Einmal im Monat soll nun eine Türkollekte für einen Hilfsfond für Beerdigungen gehalten werden.

Insgesamt war es eine sehr konstruktive Atmosphäre. Für September, nach der Sommerpause, ist die nächste Sitzung geplant.

Ehrenamt

Ehrenamtliche Arbeit in der Kirche mag in Deutschland weiter verbreitet sein als hier. Einer der Gründe dafür sidn sicherlich die niedrigen Einkommen. Dennoch versuchen bei uns manche das, was sie können, einzubringen: Blumen aus dem Garten für den Kirchenschmuck geben, bei Kinderveranstaltungen helfen und Speisen zubereiten, Eingemachtes aus dem Garten beisteuern. Heute haben 2 Ehrenamtliche mit unserem Hausmeister unser Hoftor geschweißt. Starker Wind schlug die Tore zu und verbog die Scharniere. A. als gelernter Schweißer brachte die Tore wieder in Ordnung. Um Kosten zu sparen, fuhren wir zuerst 5 Annahmestellen für Altmetall an, um preiswerte Stahlwinkel und -bänder zu finden. Doch überall schien gerade erst das Metall abgeholt worden zu sein und es fand sich nicht das Gesuchte. So mussten wir es im Baumarkt kaufen. Die 4 Stunden Arbeitszeit gaben die beiden für die Pfarrei.

Erledigungen in Saratov

Am Anfang waren es nur zwei Anliegen, weswegen wir heute nach Saratov fahren wollten. Schnell kam jedoch noch dieses und jenes dazu, so dass aus der Fahrt ein tagfüllendes Programm wurde: Baumarkt, Lebensmittel für die Religiöse Kinderwoche einkaufen, Bankbesuch, 350 kg Ziersteine für den Garten kaufen (auch Feldsteine gibt es hier an der Wolga im Erdreich so gut wie keine) – davon ist auch das Foto und eine Dienstbesprechung in der Kurie mit Planung der Pfarreiveranstaltungen, Urlaubszeiten und Vertretungen. Auch ein köstliches Mittagessen bekamen wir – wegen der Kürze der Zeit eine Herausforderung für Schwester Emilia, die sie jedoch glänzend meisterte.

Besuch bei Lida und Tahir

An Geburtstagen von Verstorbenen oder deren Todestag ist es eine gute Tradition, die Heilige Messe für sie zu feiern. Manchen unserer Gemeindemitgliedern ist das ein wichtiger Dienst für ihre lieben Verstorbenen. Lida und Tahir luden zusätzlich heute zum Mittagessen im Gedenken an die Verstorbenen zu sich ein.

Im Gespräch erfuhren wir Interessantes über Tadschikistan, wo sie zu Sowjetzeiten groß geworden sind. Zum Abschluss durften wir einige Gläser selbstgemachten Aprikosensaft mitnehmen für die Religiöse Kinderwoche, welche nächste Woche für die Jüngeren bei uns beginnt.

Sonntagseindrücke

Nach dem Sonntagsgottesdienst und anschließender Katechese ist der Bewegungsdrang bei manchen Kindern groß. Unser Spielplatz ist dann ein beliebter Ort. (Fotos)

Am Nachmittag fuhren wir aufs Dorf zur Hl. Messe in Raskatovo, im Wohnzimmer einer Familie. Ab und zu piepsten währen der Messe kleine Küken, die im Inkubator aus dem Ei geschlüpft waren. A.zieht über 30 Küken groß. Die Größeren zeigte sie uns im Garten. (Foto).

Drei Mädchen aus dem Dorf, die viele Jahre zu Katechese und Gottesdienst kamen, dann aber als Jugendliche andere Interessen hatten, warteten auf uns vor dem Haus, um sich mit uns zu unterhalten. Über die menschliche Beziehung scheint ihnen Kirche noch etwas zu bedeuten, hoffen wir, dass sie vielleicht in einem anderen Lebensabschnitt wieder näher zur Kirche finden.

Altpapier

Als die Wirtschaftssanktionen verhangen wurden, hörte man öfter den Tipp: Nur nichts wegwerfen. Man könne es vielleicht reparieren oder weitergeben.

Um die Einnahmen für die Pfarrkasse und das Ökologiebewusstsein zu stärken, haben wir kürzlich am Eingang der Kirche eine Papiertonne aufgestellt. Einige Gemeindemitglieder bringen Altpapier mit oder sammeln mit ihren Verwandten und Nachbarn für die Kirche Altpapier. Kürzlich brachte jemand vom Dorf einen PKW voll Karton von einem Geschäft. Bei einer Frau konnte ich gesammeltes Papier mit Büchern aus der Sowjetzeit abholen. Sie freute sich, dass nun mehr Platz zu Hause ist. Bald schon lohnt sich eine Fahrt mit unserem Kleinbus zum Altpapierhändler nach Engels (40 km entfernt).

Mitfeier

Pater Zenon in Togliatti (400 km entfernt) hatte zu seinem Weihejubiläum nicht groß eingeladen. So feierten wir mit denen aus der Gemeinde, die nicht durch Arbeit oder Schule verhindert waren und drei Konzelebranten den Festgottesdienst.

Am Nachmittag unternahm Zenon mit P. Lorenz und mir eine kleine Wandertour durch die Schiguljowsker Berge am Ufer der Wolga. Nach dem gleichnamigen Ort wurde seinerzeit das Auto benannt, welches im benachbarten Togliatti gefertigt wurde. Heute ist die Autoproduktion eingeschränkt mangels Zuliefererteile.

Auf der Rückreise kamen wir gut voran. So blieb noch etwas Zeit, entsprechend der Tradition in Deutschland an Christi Himmelfahrt, für eine kleine Wanderung in den Chwalinsker Bergen, allerdings, ohne anderen Ausflüglern zu begegnen. Zur Abendmesse in der gut bescuhten Marxer Kirche kamen wir noch pünktlich an.

Zum Straßenfoto aus Schiguljowsk: Welche Alternative hätten Autofahrer wohl gehabt bei den Zwangspfeilen an jedem Lichtmast?